Der Charakter des Azawakh

(Holger Bunyan, Windhundzuchtbuch ´94/95)


Funktion des Azawakh im Ursprungsland

Um sich Gedanken über den Charakter des Azawakh zu machen, muß man zuerst seine Funktion im Ursprungsland betrachten. Wofür wurde er überhaupt gehalten? Ist er planmäßig gezüchtet worden? Hatte er bestimmte Aufgaben zu erfüllen?

Fragen, die eine eindeutige Klärung nicht hundertprozentig zulassen, da die Überlieferungen und Geschichten sehr stark an der Realität zweifeln lassen. Erschwerend kommt hinzu, das die Tuareg keine schriftlichen Dokumente hinterlassen haben. Betrachtet man das Volk der Tuareg und schaut sich ihre soziale Struktur an, so wird man feststellen, das es sich um eine streng matriarchalistische Gesellschaftsform handelt. Sämtlicher Besitz gehört der Frau, und die Männer hatten nichst außer ihren Waffen, Rennkamelen und Hunden. Das übrige Vieh, Ziegen und die Milchkamele, sowie die Esel gehören den Frauen. Man sagt den Tuareg nach, das sie ein sehr kriegerisches und stolzes Volk sind, bzw. waren. Die Tuareggesellschaft gliederte sich in verschiendene Stämme. Die unterschiedlichen Stämme hatten, ähnlich wie die Kasten der Hindus, bestimmte Aufgaben und Berufe.

Adelige Stämme hielen sich Sklaven, adeligen Stämmen schreibt man die Haltung von Hunden zu und zwar als reinen Luxus. und Prestigeobjekte. Wer es sich leisten konnte, hielt sich neben vielen Rennkamelen und Pferden auch Hunde.

Daß der Azawakh so aussieht, wie er aussieht, scheint nicht ausschließlich auf der züchterischen Leistung der Tuareg zu basieren. Es scheint mit wahrscheinlich, daß es - bedingt durch die klimatischen Gegebenheiten auch eine Anpassung für besseres Überleben zu sein scheint. So zeigt er typische Anpassungsmerkmale an das rauhe Klima der Wüste. Die Aufgaben dieser Hunde bestanden m. E. nicht hauptsächlich in der Jagd nach Gazellen oder Hasen. Auch denke ich nicht, daß ihnen spezielle Aufgaben zugeteilt wurden. Vielmehr galten sie nur als "Zierde" ohne bestimmten Nutzen für die Halter.

Zucht des Azawakh im Ursprungsland

Von einer Zucht in unserem Sinne, mit planmäßiger Auswahl der Zuchttiere, kann im Ursprungsland nicht die Rede sein. Vielmehr trafen die Tuareg eine Auswahl ihrer bevorzugten Merkmale bei den Welpen eines Wurfes. Das heißt konkret: Eine Hündin bekam einen Wurf, Rüde meist unbekannt, und die Welpen wurden bis auf einen in die Wüste gebracht zum Sterben. Eine Methode, die auch heute noch Anwendung findet. Die Tuareg selektierten also die Welpen nach rein optischen Gesichtspunkten (siehe auch Bunyan 1986 in "Unsere Windhunde")

Stand der Domestikation

Es ist somit auch nicht verwunderlich, daß der Azawakh nicht sonderlich domestiziert ist. Eine deutsche Azawakhzüchterin bezeichnete diese Rasse einmal als "Primärhunde". Sie wollte damit zum Ausdruck bringen, daß sich diese Hunde in ihrem Verhalten und Wesen auf einer geringen Domestikationsstufe befinden. Alle Verhaltensmuster und Charaktereigenschaften sind stark an die des Stammvaters aller Hunde gehalten - dem Wolf. Ähnlich wie die in vielen Teilen dieser Welt anzutreffenden Pariahunde bzw verwilderten Haushunde.

Was bedeutet das im Konkreten?

Es soll nicht bedeuten, daß sich Azawakhs wie Wölfe verhalten, dies würde eine Haltung in unseren Breiten ja schier unmöglich machen. Vielmehr ist darunter zu verstehen, daß der Azawakh noch viele ursprüngliche Verhaltensweisen besitzt, die sich von denen des Wolfes nur geringfügg unterschieden, und die ein Zusammenleben mit uns manchmal recht schwierig gestalten können. Als eine übriggebliebene Eigenschaft ist die bei vielen Azawakh zu beobachtende Scheu bzw. Skepsis allem Unbekannten und Neuen gegenüber. Diese Eigenschaft ist gepaart mit einer hohen Fluchttendenz und Selbstverteidigung.

Desweiten besitzt er ein stark ausgeprägtes Rudelverhalten/Sozialverhalten mit großer Expansionstendenz, ein nicht zu ausgeprägtes Sexualverhalten, sondern ein mit Wölfen vergleichbares. So ist es z.B. häufig zu beobachten, daß Hündinnen nur einmal im Jahr läufig werden, Rüden zeitweise steril sind, was für Wölfe auch ganz normal ist.

Jeder kennt den sehr stark ausgeprägten Freßtrieb und damit verbundenen Schutztrieb. Ganz ursprünglich ist das Pflege- und Aufzuchtverhalten, welches mit in den Funktionskreis des Sexualkverhaltens gehört und fast minutiös und exakt dem des Stammvaters entspricht. Wer einmal einen Wurf Azawakhs aufgezogen hat, wird dies bestätigen können. Der Hetztrieb, der bei Windhunden allgemein als besonders stark ausgeprägt gilt, ist nicht stärker ausgebildet, sondern entspricht dem des Wolfes oder auch dem des DSH oder DDH.

Alles in allem ist der Azawakh in seinen genetischen Verhaltensweisen ausgesprochen ursprünglich, sprich dem Wolf sehr ähnlich. Züchterisch ist er bis jetzt wenig manipuliert bzw. verändert.

Was unterscheidet ihn von anderen Rassen?

Wie schon erwähnt, ist er im vergleich zu anderen Rassen wenig domestiziert. Betrachtet man vergleichsweise die FCI Gruppe 1, in der alle Hütehundrassen gegliedert sind, so wird man bei allen Vertretern dieser Gruppe einen stark ausgeprägten Hütetrieb feststellen. Dies ist eine Eigenschaft, die durch langjährige Zucht und Selektion besonders stark herausgezüchtet wurde und nun verstärkt genetisch determiniert ist. Andere genetisch bedingte Verhaltensweisen, wie z.B. der Fluchttrieb oder der Jagdtrieb, sind zugunsten des Hütetriebes vermindert angelegt.

Doch was hat das mit dem Azawakh zu tun?
Es sollte verdeutlichen, dass unsere Rasse keine besonders herausgezüchten Eigenschaften besitzt, sondern alle Eigenschaften im Prinzig ungeschliffen und wenig spezialisiert sind. Deshalb sind Azawakh also sehr selbstständig und in der richtigen Umgebung unabhängig vom Menschen.

So ist im Winter 1989 ein Azawahk seinem Besitzer abhanden gekommen, vier Wochen später fand er ihn wohlgenährt und fett wieder, obwohl gerade in dieser Phase des Winters klirrende Kälte herrschte. Erstaunlich an der ganzen Sache war, dass er die ganze Zeit an ein und derselben Stelle gewesen sein musste, immer in der Nähe der Stelle, wo er seinen Besitzer verloren hatte. Anwohnern war er die ganze Zeit nicht aufgefallen. Er schlief in einem Strohhaufen und ernährte sich von Abfällen einer Molkerei in der Nähe. Menschen mied er die ganze Zeit, nur die vertraute Stimme seines Besitzers konnte ihn wieder in Gewahrsam bringen.

Diese Geschichte soll verdeutlichen, wie unabhängig und selbsterhaltens die angeborenen Verhaltensweisen noch sind und dass der Azawakh, im Gegensatz zu anderen Hunderassen, die menschliche Nähe nicht zwangläufig sucht und benötigt. Ein anderer Hund hätte sich vielleicht irgendeinem Menschen angeschlossen oder hätte sich mitnehmen lassen. Dieses Beispiel ist eines von vielen, aber nur eines der wenigen mit glücklichem Ausgang. Viele Azawakh mussten bei ähnlichen Ereignissen ihr Leben lassen, sei es durch Autounfälle oder gar Kollisionen mit Güterzügen, oder sie wurden nie wieder gesehen. Sie sind eben nicht für europäische Verhältnisse geschaffen.

Was hat das für Konsequenzen?

Nun es stellt sich noch eine andere Frage - ob dies überhaupt Konsequenzen haben muss? Das ist eine Auffassungssache. Meiner Meinung nach sind Konsequenzen unumgänglich, gesetzt den Fall, man ist am Fortbestand dieser Rasse in unseren Breiten interessiert.

Eine unabdingbare Konsequenz ist die, dass man ohne Zweifel sagen muss, dass der Azawakh nur ein Hund für Leute sein kann, die sehr viel Erfahrung mit Hunden, bzw. die nötige Fachkenntnis im Umgang und mit der Erziehung von Hunden haben. Ein Umstand, der leider nicht allzu häufig anzutreffen ist.

Eine weitere Konsequenz ist bei den Züchtern zu suchen. Diese müssen Ihre Hunde nach den neuesten Erkenntnissen der Verhaltensforschung aufziehen und jede Sozialisationsphase bis ins Letzte ausnutzen!
Desweiteren sollten sie ihre Hunde nur an wirklich fachkundige Interessenten abgeben und diese ehrlich beraten.

Die Azawakh Interessenten sollten sich sehr wohl überlegen, welche Anforderungen diese Rasse an sie stellt. Es ist zwar jedem selbst überlassen, doch im Sinne des Individuums sollte ein jeder in sich gehen. Es ist leicht ein Hund angeschafft, der im ersten Lebensjahr wenig Probleme macht, die aber mit zunehmendem Alter zu solchen werden können.

Die züchterischen Konsequenzen sind m.E. die einzige Chance dieser Rasse für den Fortbestand in Europa.

In der Auswahl und richtigen Beurteilung der Zuchttiere liegt das Geheimnis und in der Voraussicht der Züchter. Jeder Züchter muss versuchen, ehrlich die Vor- und Nachteile seines Hundes unverblümt zu sehen und zu erkennen.

Die errungenen Championtitel sind heutzutage leider kein Kriterium mehr. Zum einen werden Azawakh häufig von Rasselaien gerichtet, soll heißen, dass die wenigsten Richter sich so intensiv mit der Rasse beschäftigt haben. Eine rassesinnvolle und populationsüberschauende Beurteilung ist meist nicht gegeben, betrachtet man die jüngsten Ausstellungsergebnisse oder aber auch die Eingeständnisse der Richter selber, die sich nicht als Spezialisten dieser Rasse bezeichnen.

Zum anderen sind die wenigen Züchter anscheinend nicht an einer gemeinsamen Problemlösung interessiert. Eher das Gegenteil scheint der Fall. Wilde Diskussionen um Farben und importierte Hunde, persönliche Querelen, Neid und Missgunst haben bis heute verhindert, dass sich Züchter zusammensetzen, um sachlich über die Rasse zu diskutieren. Es wird immer wieder der Eindruck erweckt, das es üerhaupt keine Probleme gibt.

Probleme der Azawakh

Wer auch immer bestreitet, dass es Probleme mit der Rasse gibt, weiß entweder nicht, welche Voraussetzungen eine Rasse heutzutage haben muss, um in unserer Umwelt nicht zu einer Bedrohung für sich und andere zu werden, oder kennt diese Rasse nicht ausführlich genug. Es ist nicht umsonst nur ein kleiner Teil von Hundeliebhabern, der sich mit dieser Rasse umgiebt.

Stellen wir noch einmal fest, dass der Azawakh ein wenig domestizierter Hund ist. In 15 Jahren Zucht ist es bis dato nichrt gelungen, die Rasse inigermaßen an unsere Verhältnisse anzupassen. Betrachtet man andere Rassen, wie z.B. den Saluki, so wird man heute wohl nicht mehr von Anpassungsschwierigkeiten sprechen. Fragt man in Salukikreisen einmal nach, wird bestätigt, dass auch diese Rasse in den Anfängen ähnliche Wesensprobleme gehabt hat, wie heute der Azawakh. Durch gemeinsame züchterische Arbeit und strenge Selektion ist des den Salukizüchtern weltweit gelungen, die Rasse hervorragend an unsere Bedingungen anzupassen, ohne den eigentlichen Charakter des Saluki stark zu verändern.

Es stellt sich die Frage, wieso es sich beim Azawakh diesbezüglich so schwierig gestaltet? Das Hauptübel scheint in der Zucht zu liegen, bzw. bei denen, die dafür vernatwortlich sind.

Ein Windhundrichter sagte einmal ganz treffend: "Bei uns in Deutschland gibt es keine richtigen Züchter - die meisten wollen halt nur mal Welpen von Ihrem Hund haben, und einmal im Ausstellungsgeschehen involviert, werden dann eben auch die Welpen, bzw. "Kinder" ausgestellt. Na ja, man will ja niemanden enttäuschen, bzw. verletzen." Eine richtige Feststellung, nur leider mit der falschen Schlußfolgerung.

"Eine Rasse kann nur so gut sein, wie ihre Richter!" Dieses Zitat stammt von dem bekannten Mastinozüchter und Richter Walt Weiße. Man könnte noch hinzufügen "und seine Züchter".

Eine Azawakh Besitzerin beschwerte sich in einem Gespräch darüber, dass ihr Hund nur ein "gut" bekommen habe. Auf die Frage warum antwortete sie: "... weil er sich nicht hat anfassen lassen". Endlich mal eine richtig Entscheidung eines Richters, dem anscheinend an der Rasse etwas gelegen ist. Wenn jeder Richter einen Azawakh mit einem "gut" bewerten würde, bei dem der Besitzer nicht in der Lage ist, seinen Hund so unter Kontrolle zu halten, dass er niemanden gefährdet oder gleich in Panik ausbricht, wäre schon eine Menge gewonnen. Alle schwer erziehbaren Individuen würden damit aus der Zucht verbannt. Zuchtrichter, die diese Rasse richten dürfen und auch wollen, sollten sich ernsthaft Gedanken um diese Rasse machen.

Ziele der Züchter

Die wichtigste frage, die sich ein Züchter stellen muss, ist die, welches Ziel er überhaupt vor Augen hat.

Es ist wenig sinnvoll, Azawakh oder überhaupt Hunde züchten zu wollen, ohne ein konkretes Ziel vor Augen. Desweiteren muss jeder Züchter an dem Erhalt der Rasse und an der Verbreiterung und Gesunderhaltung des gesamten Genpooles interessiert sein. Dies ist aber nur möglich, wenn sich die Züchter zusammenschließen, um gemeinsam bestimmte Ziele zu verfolgen. Ein Umstand, der nicht gegeben ist.

In Deutschland ist es bis jetzt nicht möglich gewesen, ein Azawakh Meeting durchzuführen. Die wenigen Züchter setzen immer noch persönliche Vorbehalte vor eine gemeinsame und entschlossene Problemlösung. Dabei ist es von erster Wichtigkeit, gemeinsame Akzente und Ziele miteinander festzulegen.

Eines der wichtigsten Ziele überhaupt muss das einwandfreie Wesen und der zuverlässige Charakter der Azawakh sein. Hierbei darf man keine allzu großen Kompromisse eingehen. Das oberste Gebot der Zucht, nur mit gesunden Tieren zu züchten, muss leider immer wieder erwähnt werden, obwohl es selbstverständlich sein sollte.

Gibt es nun bestimmte Bedingungen, die ein Azawakh für die Zucht mitbringen muss?

Anforderungen an eine Zuchthündin
Was sind die Mindestanforderungen an eine Zuchthündin?

Da dieser Beitrag sich mit dem Charakter des Azawakh beschäftigt, sollen hier auch nur die charakterlichen kriterien Erwähnung finden.

Eine deutsche Windhundrichterin sagte einmal: "Das Wesen der Welpen wird zu 60% von der Zuchthündin vererbt". Dies ist zwar inhaltlich falsch, doch die Grundidee ist richtig. Die genetischen Dispositionen für Verhalten, bzw. Wesen kommen natürlich von beiden Eltern zu gleichen Teilen. Doch die Prägung und Sozialisation der Welpen ist maßgeblich von der Mutterhündin abhängig. Sie ist der erste Hundekontakt der Welpen und in den meisten Fällen auch der einzige. Sie ist das Vorbild für ihren Nachwuchs.

Welche Voraussetzungen muss eine Zuchthündin erfüllen?

Grundsätzlich sollte sie auf gar keinen Fall ängstlich sein. Scheue oder ängstliche Hündinnen neigen sehr dazu, ihre Welpen stark zu beschützen und bei jeder Kleinigkeit Überreaktionen zu zeigen.

Eine gute Zuchthündin muß freundlich und aufgeschlossen gegenüber fremden Situationen und Menschen sein. Vor allem in ihrer vertrauten Umgebung. Sie muss eine gewisse Ausgeglichenheit und Gelassenheit haben und natürlich Gehorsam, sprich unterordnungsfähig sein. Beispielsweise muss man von seinen Hunden gehorsam verlangen, so dass man sie gefahrlos für sich und seine Umwelt ohne Leine laufen lassen kann.
Desweiteren muss man sehr großen Wert auf Verträglichkeit mit anderen Hunden legen, und natürlich müssen die Hunde eine gewisse innere Ruhe ausstrahlen, vor allem die Hündinnen. Ein Hund von ungezügelter Wildheit und Eigensinn gehört in die Wüste und nicht zu uns nach Europa, und vor allem nicht in die Zucht.

Anforderungen an an einen Zuchtrüden

Zunächst einmal muss man feststellen, dass die charakterliche Beurteilung erwachsener Hunde, die nicht von einem selber gezüchtet worden sind, bzw. im Besitz sind, sehr schwer ist. Man muss das Verhalten richtig deuten, und abzuschätzen wissen, wie viele der gezeigten Verhaltensweisen genetisch bedingt sind. Grundsätzlich darf er nicht aggressiv, ängstlich und zu dominant sein.

Desweiteren ist man auf die ehrlichen Auskünfte des Besitzers angewiesen. Sehr aussagekräftig sind unter anderem Resultate wie Begleithundprüfung oder auch eine Rennlizenz und disqualifikationsfreie Rennen.

Zusammenhänge zwischen Aussehen und Verhalten

Selbst wenn man Schwierigkeiten mit der Beurteilung des Charakters / Wesens eines Azawakh haben sollte, gibt es morphologische Hinweise, die ein jeder erkennen kann.

Da ist zum einen die Farbe. In dem vorhandenen Genpool unserer Hunde ist auch der sogenannte Dilutionsfaktor vorhanden. Dieser Faktor verhindert die Ausbildung eines bestimmten Enzyms, so dass eine schwarze Pigmentierung nicht möglich ist, sondern das Pigment wird heller produziert. Pigmentzellen sind sind Abkömmlinge von Nervenzellen. Beide, Pigmentzellen sowie auch Nervenzellen, entwickeln sich aus den gleichen Mesencymzellen. So sind Hunde mit dilutiertem Pigment oft nervenschwächer, bzw. nicht so belastbar wie voll pigmentierte. Dieser Faktor vererbt sich rezessiv.

Azawakh mit feinen Knochen, zu schmalen Köpfen und enger Front, kurz: mit zu wenig Substanz, sind auch nervenschwach, bzw. schnell erregbar und schlecht zu beruhigen. Durch den genetisch bedingten verminderten CA Stoffwechsel wird weniger Knochensubstanz gebildet, der CA Soffwechsel ist aber auch maßgeblich an den Reizleitungen der Nerven beteiligt.
Hunde mit zu schmalen Brustkörben bieten wenig Platz für Herz und Lunge. - bei solchen Tieren kann eine ständige "Herzbeklemmung" zu Überreiztheit und starker schreckhaftigkeit bis hin zu panischer Angst vorkommen.

Hunde mit zu kurzem Rücken, sprich ein Verhältnis von 7:10, wie sie hauptsächlich auf Ausstellungen zu sehen sind, neigen bei starker Belastung zu Wirbelsäulenveränderungen und bedingt durch den Schmerz zu aggressivem Verhalten.

Fehlende Zähne können auch Aufschluss über einen verminderten CA Stoffwechsel geben.

Sie sehen, es gibt eine Menge morphologischer Anhaltspunkte, die verantwortlich für bestimmte Verhaltensweisen sind. Dies gilt für alle Rassen.

Zuchtmethoden

Ein paar Zeilen sollte man noch zu den angewandten Zuchtmethoden verlieren.
Grundsätzlich unterscheidet manFfremdzucht / Outcross, Verpaarung von Tieren ohne verwandschaftliche Beziehungen und Linienzucht / Inzucht - Verpaarung von Tieren die näher miteinander verwandt sind, als der Durchschnitt der Gesamtpopulation.

Wenn man nun von den Problemen der Azawakhzucht spricht, schreibt man es unwissenderweise oft dem hohen Inzuchtgrad zu, der gar nicht existiert. Verglichen mit anderen Rassen ist er durchschnittlich. Ohne genau zu wissen was man tut, sucht man nach Auswegen und kommt auf die seltsamsten Ideen. Statt mit dem vorhandenen Genpool sorgsam und gewissenhaft umzugehen, wird er verwässert und verfälscht, schlimmstenfalls sogar um unerwünschte Eigenschaften wie z.B. Erbkrankheiten erweitert.

Die derzeitige Zucht der Azawakh in Europa ist nichts weiter als eine Vermehrung der Hunde, ohne sinnvolle Zuchtauslese zu betreiben. Die Population ist in den letzten Jahren um einiges schlechter geworden, was die morphologischen / anatomischen Qualitäten betrifft. Wer behauptet oder annimmt, dass die Wesensprobleme des Azawakh auf die zu strark betriebene Inzucht zurückzuführen sind, hat sich nicht richtig informiert, oder hat von sinnvoller Zucht keine Ahnung.

Eine Zuchtmethode kann niemals einen Mangel verursachen, sondern nur verdeckte Fehler zutage bringen. Die Methode ist nie Schuld an einem schlechten Resultat, sondern der Züchter. Sei es durch schlechte Auswahl der Zuchttiere und / oder durch falsch angewendete Zuchtmethoden.

Nochmals zu Verdeutlichung: das Resulat ist einzig und allein das Ergebnis des Züchters.

Schlussbetrachtung
Wie ist der weitere Erhalt der Rasse zu sichern?

Man kann zum Ziele der Erhaltungszucht mit dem Zuchtmaterial fortfahren, was zur Verfügung steht. Wie bei jeder Zucht, muss man sich freimachen von Sentimentalitäten. Die nüchterne und sachliche Beurteilung eines Zuchtexemplares und damit verbunden auch die kooperative Zusammenarbeit der Züchter werden in jedem Fall zu Fortschritten führen.

Eine Zuchtverbesserung kann aus dem europäischen Zuchtpotential erreicht werden, wenn die Zuchtauslese streng und sorgfältig durchgeführt wird.

Die Einkreuzung von "Fremdblut" ist ein weiterer Versuch, die Rasse zu beeinflussen. Heute ist ein Trend zu importierten Hunden aus Afrika zu erkennen. Um eine Zuchtverbesserung erreichen zu können, ist ein völlig undurchschaubarer, unbekannter Genpool sicher erschwerend und keine Lösung. Um den Zuchtwert des Tieres beurteilen zu können, reicht es nicht aus, einen Hund ein/zwei Tage in Augenschein zu nehmen.

Eine Prognose ist immer nur erfolgreich, sobald man viele Daten und Fakten kennt, Je mehr, umso sicherer. Bei den Importen oder Mitbringseln hat man unbeschriebene Blätter. Wenn das "andere" Wesen der Hunde in Afrika herausgestellt wird, ist die Beurteilung des Verhaltens oft unrealistisch geschönt. Unsere europäischen Azawakh verhalten sich ebenfalls anders, sofern sie nicht in der Enge und Bedrängnis unserer Umwelt leben müssen, wenn sie ausweichen können.

Gerade die Zuchtverwendung von importierten Hundena aus Afrika muss äußerst sorgfältig unter Anlegung des höchsten Massstabes erfolgen. Laienhaft Beurteilungen haben hier überhaupt keinen Platz, wenn nicht neben dem Charakter auch noch der Rassetyp gefährdet werden soll, was meines Ermessens schon geschehen ist.

Ich denke, es könnte gelingen, durch konsequente Zucht und gemeinsame Arbeit die Probleme dieser Rasse in einem überschaubaren Zeitraum in den Griff zu bekommen. Voraussetzung wäre natürlich, dass jeder Einzelne, egal ob Halter oder Züchter, seine eigenene Interessen hinten anstellt und nur im Sinne der Rasse handelt und agiert, auch wenn es nicht immer mit seiner persönlichen Überzeugung einhergeht.

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