3. Spass mit Erziehung 2 – das Herankommen

(Anneke Krems, Unsere Windhunde 11/99)


Spass, Spiel, gute Laune - oder:
"Nirgends ist es schöner als bei meinem Menschen..."

Eines der wichtigesten Dinge, die ein (Wind)hundwelpe lernen muss, ist das sichere Herankommen auf Ruf seiner Menschen. Wer seinen (Wind)hund artgerecht halten möchte, muss daüfr Sorge tragen, daß dieser möglichst täglich Freilauf genießen kann. Diese Freiheit kann nur ein Hund erhalten, der im Alltag und besonders in Gefahrensituationen auf Ruf zu seinen Besitzern zurückkommt.

Durch frühzeitiges Üben wird überdies das Verhältnis zwischen Hund und Besitzer gefestigt, so daß auch der (vor allem Ersthund-)besitzer Vertrauen in die sichere Reaktion seines Hundes bekommt und der Freilaufsituation gelassen gegenüberstehen kann. Dies hat nicht zuletzt auch im Hinblick auf die strassfreie Begegnung mit Artgenossen Bedeutung.

Windhunde, die ständig an der Leine geführt werden müssen, weil sie sich sofort "davonmachen" und wohlmöglich in Gefahr geraten (Straßenverkehr / Jäger) oder ihre besitzer z.B. nach einem rennen minutenlang in Atem halten, weil sie nicht wieder einzufangen sind, sind nicht besonders ursprünglich, selbstständig oder eigenwillig. Sie haben schlicht und einfach das Kommen nicht richtig gelernt.

Das Üben des Herankommens ist nachfolgend für einen Welpen beschrieben, dasselbe gilt im Prinzip aber auch für einen älteren Hund, mit dem man sichereres Kommen auf Ruf üben möchte.

Grundlagen

Damit das Herankommen möglichst sicher gelernt wird, ist es wichtig, die handlung "Kontaktaufnahme zum Menschen" rein positiv zu besetzzen, Hier werden vom Hundebesitzer (meist unbewußt) relativ häufig Fehler gemacht, auf die ich im Weiteren näher eingehen möchte.

Wünschenswert ist natürlich, daß die sichere Bindung zum Menschen schon während der sensiblen Phase höchster Lernbereitschaft (auch Prägephase genannt), also zwischen der dritten und - rasse- und entwicklungsabhängig - ca. 12. bis 16. Lebenswoche etabliert wird.

Gewöhnlich kommen Welpen aus guter Zucht, wenn sie im Abgabealter sind, auf bestimmte Signale (lockende Worte, Schnalzen o.ä., besonders wenn sich der Züchter zusätzlich hinhockt) angelaufen, in der Erwartung auf Futter oder Spiel mit ihren Menschen. Der Züchter hat also im schon eine positive Verbindung hergestellt.

Dies sollten die neuen Welpenbesitzer konsequent ausbauen. Besonders nützlich erweist sich für die weitere Prägung des Welpen der Besuch gut geführter Welpenspieltage, wo di9e Welpen die Möglichkeit zum Sozialspiel mit altergelcihen Hunden und der Besitzer Anleitung und Hilfe zum Aufbau einer guten Bindung und Erziehung bekommt. Die Spieltage stehen in der Regel Welpen von der achten bis etwa 16. Woche offen, danach wird der Hund im Idealfall entwicklungsabhängig in eine Junghundegruppe integriert.

An dieser Stelle möchte ich nochmals kurz einige wichtige Regeln des Lernens erwähnen, auf die ich schon im Zusammenhang mit dem Clickertraining (siehe UW 5/99 - bzw. siehe hier unter Artikelauswahl :-) eingegangen bin:

1. Die Zeit, in der eine Verknüpfung Handlung - positive/negative Verstärkung (Handlung - Hörzeichen, etc...) hergestellt wird, beträgt beim Hund höchstens ein bis zwei Sekunden. Das bedeutet, das eine Reaktion des Besitzers auf eine Handlung des Hundes sofort während bis kurz nach dieser erfolgen muss.

2. Gelerntes Verhalten muss vertieft und verallgemeinert werden. Dazu sollten die Anforderungen und ablenkende Einflüsse in kleinen Schritten gesteigert werden.

3. Bestes Mittel zur sicheren Etablierung eines Verhaltens ist die variable, also für den Hund unvorhersehbare (positive) Bestärkung.

4. Lernen findet besser in einem entspannten Feld statt... Spielen ist Lernen!

Was tun?

Basierend auf diesem Wissen, beginnt die Übung am besten in bekannter, ablenkungsfreier Umgebung, also zu Hause. Zur sicheren Verknüpfung des Hörzeichens (z.B. "hier") kann man es benutzen, wenn der Welpe sowieso gerade auf dem Weg zu seinem besitzer ist, oder einladende Gesten zum Heranlocken benutzen. Während der Welpe auf dem Weg zu seinem besitzer ist - am besten wenn ziemlich sicher ist, das der Welpe auch dort ankommt - sollte das gewählte Hörzeichen gegeben werden (Verknüpfungszeit). Das richtige Verhalten des Welpen wird immer positiv bestärkt, z.B. durch Leckerchen oder ein schönes Spiel. Am besten wird das Herankommen viele Male täglich geübt! Dabei können alle familienmitglieder mitmachen. So lernt der Welpe (der sich ja hier noch in der sensiblen Phase befindet) zusaätzlich, daß bei allen seinen Menschen angenehme Erlebnisse zu erwarten sind und verallgemeinert dies, so das auch später ein entspannter Umgang mit dem Sozialpartner Mensch möglich ist.

Wenn diese Übung gut klappt, kann die Ablenkung langsam gesteigert werden. Das kann z.B. so aussehen: Abrufen erst im Garten (wenig Ablenkung zur interessante gerüche, Vögel etc.), dann an einer ruhigen Stelle im Spaziergehpark (noch interessantere Gerüche...), dann in der Nähe anderer Hunde, später aus dem Spiel mit Artgenossen. An kritischen Stellen sollte der Welpe vorerst lieber an der Leine gehen.

Um den Welpen zum Herankommen zu bewegen, muß sich der mensch interessant und wichtig machen. Man kann etwa von einem wenige Wochen alten Hund nicht erwarten, das er sich ohne zu zögern aus dem Spiel mit einem Artgenossen löst, um zu seinem Menschen zu laufen. Erst recht, wenn ihn dort nichts Lohnenswertes erwartet!

Für den Welpenmuß sein Besitzer immer ein großer Anziehungspunkt sein. Die "Lässi-mäßige" aufopfernde Liebe gibt es bei Hunden nicht. Deshalb ist es auch keineswegs - wie einige Besitzer glauben - Erpressung, dem Hund für sein Kommen Futter oder andere Belohnung anzubieten. (Es sollte natürlich nicht so sein, daß der Hund nur kommt, wenn man ihm ein Leckerchen vorhält! Lesen Sie dazu bitte noch mal den Abschnitt über Futterabhängigkeit im Clickerartikel.)

Außer besonders begehrten leckerhcne sind für den Hund möglichst artgemäße Spiele interessant, dazu müssen natürlich die jeweiligen Anlagen des Hundes bedacht werden. Windhunde reagieren oft ihrer Art entsprechend besonders gut auf Renn- und Fangspiele, so daß der Besitzer dies zum heranrufen nutzen kann. Ein kurzer Sprint (des Besitzers :-), wohlmöglich mit einer vom Hund begehrten Beute, kann den Hund zum Mitlaufen animieren, das sogleich durch Spiel mit der Beute belohnt werden kann.

Auch der Name des Welpen sollte positiv gefärbt sein, immer freundlich auffordernd gerufen und nicht zum Unterbrechen einer unerwünschten Tätigkeit benutzt werden. Dafür kann man lieber ein bestimmtes Abbruchsignal "wie "nein" oder "Naaa" (bei mehreren Hunden zusätzlich zum Namen) benutzen.

Übrigens ist es sehr sinnvoll, dieses Abbruchsignal parallel ebenfalls mit dem Welpen zu üben. Auich hier wird der Schwierigkeitsgrad in kleinen Schritten erhöhnt. Praktisch ist das Üben am Futternapf, wobei der kleine Hund wartet bis das Futter freigegeben wird. Versucht er doch sich zu nähern, wird dies mit dem gewünschten Kommando, anfangs nötigenfalls z.B. mit einem Schnauzengriff, unterbunden. Das "Nein" kann in vielen Situationen geübt werden - etwa kann man dem Hund den Zutritt zu einem bestimmten Zimmer (Kinderzimmer) verweigern, oder ihn warten lassen, bis er nach einem "Freigebewort" hinter einem Spielzeug hersausen darf, bis es immer sicherer ausgeführt wird. Entscheidend ist hier wie immer die Konsequenz des Besitzers.

Besonders in der sensiblen Phase sollte gut darauf geachtet werden, das Kommen des welpen nicht negativ zu besetzen. Wie dies versehentlich passieren kann, sollen folgende Beispiele nochmals aufzeigen:

Der Welpe läuft am Wasser entlang und jagd plötzlich einer Ente hinterher. Der Besitzer ruft, aber der Hund ist viel zu abgelenkt und ignoriert das Rufen. Der Besitzer muss mehrere Minuten warten, bis der Hund endlich wieder zurückkommt. In dieser zeit ist der Besitzer schon ziemlich sauer geworden und schimpft den Welpen gründlich aus. Der Welpe aber verknüpft die Schelte mit dem Herankommen und erfährt, das sein Besitzer ihn maßregelt, wenn er zu ihm geht. Mit der zrückliegenden Jagd verbindet er dies in dem allermeisten Fällen schon längst nicht mehr. Der Besitzer sollte sich deswegen zusammennehmen und einfach weitergehen, oder wenn der Welpe doch noch (spät) auf Ruf gehört hat, ihn auch freundlich begrüßen.

Negativ bestärkt werden kann freudiges Herankommen auch, wenn der Besitzer den Hund immer nur ruft, wenn er nach Hause möchte. der Hund unterbricht sein Spiel und wird daraufhin angeleint. Er lernt , daß das Spiel zu Ende ist, wenn er kommt und wird evt. versuchen dies zu vermeiden. Deshalb ist es sinnvoll, den Welpen auch immer mal wieder abzurufen, ihn zu belohnen und weiterspielen zu lassen.

Frustrierend kann es für einen Welpen auch sein, wenn er ein Spielzeug, was er seinem Besitzer mitbringt (apportiert) abgenommen wird. Es ist besser, die Beute gegen eine andere Beute oder ein Leckerchen zu tauschen. So gibt der Wlpe die verlangten Gegenstände schnell ohne Probleme aus, und versucht nicht, mit der Spielbeute wegzulaufen um sie in Sicherheit zu bringen oder mit Chef fangen zu spielen :-) Das kann übrigens später auch sehr nützlich sein, wenn der Hund eine Jagdbeute - "Hase" beim Rennen oder Coursing wieder ausgeben soll.

Häufig kommt es vor, das der Besitzer seinem Welpen nachläuft um ihn zu holen, wenn dieser auf seinen Ruf nicht reagiert hat. Das allerdings hat normalerweise nicht den gewünschten Effekt. Besonders sensible (oder schlecht geprägte) Windhunde können schnelles aufsiezurennen - wenn der Besitzer unbewußt eine für Hunde bedrohlich erscheinende Körperhaltung einnimmt - mit einem Angriff verwechseln und flüchten, evt. sogar abwehrend schnappen. Andere fühlen sich zum Spiel aufgefordert und beginnen ein spannendes Laufspiel, bei dem der Besitzer natürlich schnell den Kürzeren zieht ;-)

Der Besitzer sollte also stets den entgegengesetzten Weg einschlagen, also in die andere Richtung laufen und den Hund mit sich locken. Gerade kleine Welpen haben ja noch einen ausgeprägten Folgetrieb und kommen schnell nach, wenn sie ihr Rudel entfernt und sie sich verlassen fühlen. Das ist auch ein adäquates Mittel um Hunde aus "brenzeligen" Situationen mit Artgenossen zu holen, auch wenn man damit das Risiko eingeht, von uninformierten "gegnerischen" Besitzern beschimpft zu werden. Aber durch das oft praktizierte Schreien (Chef bellt auch) und wildes Herumrennen (aufgebrachte Stimmeung), bei dem versuch die Hunde zu trennen, werden die Gegner erst recht angestachelt. Viele Hunde sind bei fehlender Rückendeckung ihrer besitzer auch plötzlich gar nicht mehr so rauflustig!

Um sich für den Welpen interessant zu machen, können viele hundeartige gesten benutzt werden - angedeutete Vorderkörpertiefstellung, snelles zur seite springen, abrupte Richtungswechsel im lauf, zeigen und verstecken einer Spielbeute... Diese Spielaufforderungen können für den kleinen Hund so verlockend sein, das er dafür von seiner momentanen Tätigkeit ablässt. Zudem ist ausgelassenes Spiel mit seinem Sozialpartner für den Hund eine angenehme und erfüllende Sache.

Wer mit den Clicker arbeitet, kann natürlich auch diesen zum Verstärken benutzen. Erstens kann das Herankommen damit schon im Ansatz, also wenn der Welpen Blickkontakt aufbaut und die ersten Schritte Richtung mensch macht, bestätigt werden. Die Belohnung bekommt er dann, wenn er seinen Besitzer erreicht hat. Sollte der Welpe vorher abdrehen, ist durch das "Click" trotzdem das richtige Verhalten bestärkt worden und der Welpe holt sich seine Belohnung (nämlich das, was er gerade am Liebsten tut, schnuppern, spielen...) nun selber. Das entspricht zwar grad nicht unseren Vorstellungen, schadet aber dem Lernprozess nicht.

Zweitens können sämtliche Annährungstendenzen an den Besitzer bestärkt werden, z.B. wenn der Hund zufällig "bei Fuß" läuft oder sich gerade von einer interessanten Stelle abwendet, um sich nach seinem Besitzer umzusehen. Also: Click und Belohung für Blickkontakt - und daran denken, zu variabler Belohnung überzugehen...

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